Ernährungswissen

Warum die ultimativ gesunde Ernährung nicht mehr zeitgemäß ist (und was deine Alternativen sind)

In den letzten 50 Jahren hat sich unsere Esskultur grundlegend geändert. Es haben sich nicht nur die Zubereitungsarten gewandelt, sondern dadurch auch die Lebensmittel selbst. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen beispielsweise mit den Elektroherden und Kühlschränken immer mehr Hilfsmittel in die Küchen, die die Zubereitung der Mahlzeiten immer einfacher machten. Dies führte jedoch nicht dazu, dass die Leute mehr gekocht hätten. Selbst am Herd zu stehen hat ausgedient und ist von einer höchst zeitsparenden Technologie ersetzt worden. Doch die Bequemlichkeit hatte ihren Preis.

Fast Food als Grund für Übergewicht und Diabetes?

In den 1950er Jahren aßen wir nur etwa 20 % der Mahlzeiten außer Haus. Der Rest war gute alte Hausmannskost, frisch zubereitet. Heute essen wir über die Hälfte aller Mahlzeiten unterwegs und diese bestehen oft aus Convenience Food oder Fertiglebensmitteln oder Kantinenessen. Viele Lebensmittel und Speisen, die zuhause verzehrt werden, sind ebenfalls im gewerblichen oder industriellen Maßstab hergestellt oder bearbeitet. Während wir noch nie so wenig Geld für Lebensmittel ausgeben mussten, war es nie einfacher satt zu werden oder sich gleich zu überfressen. Und genau das ist letztendlich das Problem. Dadurch, dass die verarbeiteten Lebensmittel um ein Vielfaches energiedichter sind (ihnen wurden Wasser und Ballaststoffe entzogen) und extrem lecker schmecken (dank Zucker, Fett und Geschmacksverstärkern), essen wir mehr davon.

Schätzungen zufolge ist in den letzten 50 Jahren die Verzehrmenge von Fast Food um das Zehnfache gestiegen (von 2 auf 20 % der durchschnittlichen täglichen Kalorienaufnahme). Zugleich hat sich die tägliche durchschnittliche Kalorienaufnahme hat um gute 400 kcal erhöht. Genauso rasant sind die Fettleibigkeit und die Häufigkeit von Diabetes Typ 2 gestiegen. Kann das ein Zufall sein?

Askese macht schön und schlank, hat aber ihren Preis

Weniger zu essen ist nicht so einfach, wenn an jeder Ecke die Verlockungen lauern. Sicher gibt es Menschen, die es schaffen, sich permanent zu disziplinieren. Schon mal etwas von CRONies gehört? CRON steht für „caloric restriction with optimal nutrition“. Das bedeutet „Kalorienreduktion mit optimaler Ernährung“. CRONies fahren ihre Kalorienzufuhr drastisch herunter und essen etwa ein Drittel weniger als das, was ein Erwachsener durchschnittlich braucht. Gleichzeitig essen sie sehr nährstoffreich und keine „leeren“ Kalorien.

Ihre Motivation ist es nicht etwa Gewicht zu verlieren. Der Hauptgrund, warum sich manche Menschen derart einschränken ist, dass sie länger gesünder leben möchten. Dafür nehmen sie sogar Nebenwirkungen wie verminderte Libido, gesteigertes Kälteempfinden und fehlendes Sitzfleisch billigend in Kauf. Und das alles nur, weil Versuche an Rhesusaffen vermuten lassen, dass eine dauerhafte Kalorienreduktion schön, jung, schlank und gesund hält.

Zucker und Fett lösen Glücksgefühle aus

Aber was ist mit allen anderen, die keine asketischen Neigungen haben? Die können aufatmen, denn diese extreme Disziplin scheint gar nicht nötig zu sein. Studien zeigen nämlich, dass die Kombination einer mäßig reduzierten Kalorienzufuhr und etwas mehr Bewegung ebenso gesundheitsfördernd sein könnte wie die extreme Diät der CRONies. Also einfach mehr bewegen und weniger essen? Gelächter bei allen Diätgeschädigten mit Jo-Jo-Erfahrung (mich eingeschlossen). Gerade bei Fast Food fällt die Mäßigung oft schwer. Fertiglebensmittel werden nämlich so konstruiert, dass unser Belohnungszentrum im Gehirn maximal anspringt. Das ist übrigens die gleiche Gehirnregion, die auch das Suchtverhalten steuert und intensive Glücksgefühle auslösen kann. Erreicht wird die Suchtwirkung von Fast Food, indem ihm viel Zucker und Fett zugesetzt werden. Allerdings nicht in einem willkürlichen Verhältnis: Die Beherrschung fällt besonders schwer, wenn die Lebensmittel zur Hälfte aus Kohlenhydraten und zu gut einem Drittel aus Fett bestehen.

Die ultimativ gesunde Ernährung als Lösung für die Übergewichtsepidemie?

Um sich von der figurfeindlichen und gesundheitsgefährdenden Umgebung aus Fast Food, Zusatzstoffen und Lebensmittelskandalen loszulösen, scheint es nur eine Möglichkeit zu geben: komplett auf Fertiglebensmittel zu verzichten. Einen interessanten Ansatz, um das zu erreichen, vertritt der Neurowissenschaftler und Adipositasforscher Stephan Guyenet. Er meint, indem man Lebensmittel mit einer hohen Kaloriendichte, zugesetztem Zucker, Salz, Fett, Glutamat und Aromastoffen meidet, wird der Belohnungsfaktor des Essens verringert. Dadurch verzehrt man weniger, was zwangsläufig zu einer Gewichtsnormalisierung führen muss. In einem Vortrag hat er die ultimativ gesunde Ernährung, die er sich bei Naturvölkern abgeschaut hat, auf den Punkt gebracht. Sie wird in vier Schritten erreicht, die aufeinander aufbauen:

1)     Iss drei oder weniger Mahlzeiten pro Tag und keine Snacks.

2)     Koch zuhause mit einfachen, frischen und naturbelassenen Zutaten.

3)     Reduziere den Belohnungsfaktor der Speisen (die früher wesentlich geringer oder gänzlich fehlten).

4)    Iss generell nur wenige Grundlebensmittel ohne zugesetzte Aromen.

Iss doch lieber, was dich glücklich macht

Wo bleibt da der Spaß, fragst du dich? Ich sage: auf der Strecke. Denn sowohl ein extremer Verzicht (wie ihn die CRONies betreiben) als auch die komplette Rückkehr zu einer traditionellen Ernährung wie vor 10.000 Jahren (und wie sie manche Naturvölker heute noch ernähren) sind nicht nur sozial höchst unverträglich, sondern auch einfach nicht mehr zeitgemäß. Du wirst dich nämlich sicher nicht schlanker, fitter und gesünder essen, indem du das Eigelb wegwirfst und dann dein Eiweißomelette in Sprudel anbrätst. Oder indem du Getreide, Milch und Hülsenfrüchte verteufelst und deine Ernährung zur neuen Ersatzreligion machst.

Wie wäre es, wenn wir uns zur Abwechslung lieber mal auf den eigenen Körper hören? Und anstatt irgendwelchen Ernährungsdogmen hinterherzulaufen unsere eigene Wahrheit finden? Vielleicht legen wir den (Ernährungs-) Fokus mehr darauf, was uns glücklich macht anstatt uns Speisen zu verbieten? Denn Verzicht ist nicht die Lösung. Verbote schüren nur die Diätmentalität an und wenn deine (neue) Ernährungsstrategie ausschließlich auf Willenskraft basiert, wird sie langfristig scheitern. Konzentriere dich doch lieber darauf, was deinem Körper guttut. Und egal, was du tust: Iss mit Genuss und Freude!

Konkretere Tipps, wie du eine gesunde und zeitgemäße Ernährung umsetzen kannst, folgen. Gerne kannst du dir bis dahin in meinem kostenlosen E-Book schon mal ein paar Anregungen holen.

Nochmal herzlich willkommen und schön, dass du da bist! Wir lesen uns bald!

Unterschrift

Fotocredit: (c) karepa / https://stock.adobe.com/de/images

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